Ablösen und Übertragen von Wandmalereien
Eine besondere Kompetenz unseres Restaurierungsateliers
Das Ablösen und Übertragen von Wand- und Deckenmalereien gehört seit Jahrzehnten zu den besonderen Fachgebieten unseres Restaurierungsateliers. Neben der praktischen Durchführung solcher anspruchsvollen Massnahmen beschäftigte sich unser Atelier intensiv mit der Erforschung und Weiterentwicklung von Methoden und Materialien, um Wandmalereien möglichst substanzschonend von ihrem ursprünglichen Träger lösen und auf einen neuen Träger übertragen zu können.Im Laufe der Jahrzehnte wurden von unserem Atelier zahlreiche Wand- und Deckenmalereien in der Schweiz und im Ausland abgelöst, übertragen und konserviert. Die ausgeführten Arbeiten reichen von romanischer Wandmalerei über historische Ausstattungen bis zu grossformatigen Wandbildern des 20. Jahrhunderts.
Diese langjährige Erfahrung bildet bis heute eine besondere Kompetenz unseres Ateliers.
Wenn eine Wandmalerei ihren ursprünglichen Standort nicht behalten kann
Grundsätzlich gehört eine Wandmalerei zu dem Bauwerk und dem architektonischen Zusammenhang, für den sie geschaffen wurde. Ihr Erhalt am ursprünglichen Standort und auf ihrem historischen Träger hat deshalb grundsätzlich Vorrang. Es gibt jedoch Situationen, in denen dies nicht mehr möglich ist. Bauliche Veränderungen, Abbruch, konstruktive Eingriffe, eine nicht dauerhaft zu sichernde Trägersubstanz oder andere aussergewöhnliche Umstände können dazu führen, dass eine bedeutende Wandmalerei an ihrem ursprünglichen Standort gefährdet ist.
In solchen Fällen kann das Ablösen und Übertragen eine Möglichkeit darstellen, die Malerei vor dem Verlust zu bewahren.
Eine solche Entscheidung setzt eine umfassende Untersuchung voraus. Maltechnik, Malschichten, Putzaufbau, Untergrund, Haftung, frühere Eingriffe und Erhaltungszustand müssen bekannt sein, bevor über die geeignete Vorgehensweise entschieden werden kann.
Unterschiedliche Malereien erfordern unterschiedliche Verfahren
Ein besonderer Schwerpunkt unseres Ateliers liegt seit vielen Jahren auf der Entwicklung und Weiterentwicklung von Verfahren zum Ablösen und Übertragen von Wandmalereien. Dabei geht es nicht nur darum, eine Malerei technisch von einer Wand zu lösen. Entscheidend ist vielmehr, den Eingriff so zu planen, dass die historische Malschicht und die für das Werk wesentlichen Bestandteile des ursprünglichen Aufbaus möglichst weitgehend erhalten bleiben. Die Auswahl von Sicherungsmaterialien, Klebstoffen, Trenn- und Ablöseverfahren sowie die Konstruktion geeigneter neuer Trägersysteme müssen deshalb auf das jeweilige Objekt abgestimmt werden. Erfahrungen aus bereits ausgeführten Übertragungen sowie die Beobachtung des langfristigen Verhaltens verwendeter Materialien fliessen kontinuierlich in die Weiterentwicklung unserer Verfahren ein.
Grenzen der klassischer Ablöseverfahren
Die klassischen Verfahren Strappo und Stacco werden von uns nicht angewendet, da sie mit erheblichen Risiken für den historischen Bestand verbunden sein können. Beim Strappo besteht die Gefahr, dass Teile der Untermalung auf dem Putz zurückbleiben. Dadurch wird der ursprüngliche Malschichtaufbau getrennt: Ein Teil der Bildinformation verbleibt auf der Wand, während auf der abgelösten Malerei die entsprechenden Untermalungsschichten fehlen.
Beim klassischen Stacco können während der Ablösung Putzstücke aus der Übertragung herausbrechen. Dadurch entstehen Fehlstellen, die auch den darüberliegenden Malschichtbestand gefährden können.
Eigenes Verfahren zur Wandmalereiübertragung
Unser Atelier verwendet deshalb ein eigenes, maschinell unterstütztes Verfahren, das zwischen Stacco und Stacco a massello liegt. Dabei bleibt neben der Malschicht ein definierter Teil des historischen Putzaufbaus erhalten. Durch die kontrollierte maschinelle Bearbeitung der Rückseite lässt sich die verbleibende Putzstärke präzise bestimmen. Unkontrollierte Putzabbrüche und Fehlstellen werden dadurch weitgehend vermieden. Das Verfahren hat sich über viele Jahre als sehr zuverlässig erwiesen und ermöglicht es, den ursprünglichen Zusammenhang von Malschicht und historischem Putz bestmöglich zu erhalten.
Vom Ablösen bis zum neuen Träger
Eine Übertragung endet nicht mit dem Ablösen der Malerei. Die einzelnen Arbeitsschritte müssen bereits vor Beginn als zusammenhängender Prozess geplant werden.
Nach der Untersuchung und Dokumentation wird die Oberfläche, soweit erforderlich, für den Ablösevorgang gesichert. Anschliessend erfolgt das kontrollierte Lösen der Malerei beziehungsweise des zu erhaltenden Schichtaufbaus vom bestehenden Untergrund.
Die abgelöste Malerei muss danach stabilisiert und auf einen geeigneten neuen Träger übertragen werden. Dieser muss sowohl den konstruktiven Anforderungen als auch den konservatorischen Eigenschaften des historischen Materials Rechnung tragen. Nach Abschluss der Übertragung können Sicherungsschichten wieder entfernt, die Oberfläche konservatorisch bearbeitet und das Werk für seine zukünftige Präsentation vorbereitet werden.
Jeder dieser Schritte ist unmittelbar vom technologischen Aufbau und Erhaltungszustand der jeweiligen Wandmalerei abhängig.
Wand- und Deckenmalereien unterschiedlicher Epochen
Die von unserem Atelier ausgeführten Übertragungen umfassen Werke sehr unterschiedlicher Entstehungszeiten und Dimensionen. Dazu gehören historische Wandmalereien ebenso wie grossformatige Wand- und Deckenbilder des 20. Jahrhunderts. Gerade grossformatige Werke stellen besondere Anforderungen an Sicherung, Segmentierung, Transport, Trägerkonstruktion und anschliessende Montage. Neben restauratorischem Fachwissen sind deshalb auch konstruktive und logistische Lösungen erforderlich. Bei historischen Wandmalereien stehen dagegen häufig der komplexe Aufbau von Malschicht und Putz sowie die Frage im Vordergrund, welcher Anteil des historischen Trägers gemeinsam mit der Malerei erhalten werden kann und soll.
Ausgewählte ausgeführte Projekte
Zu den Wand- und Deckenmalereien, die von unserem Atelier im Laufe der Jahrzehnte bearbeitet und übertragen wurden, gehören unter anderem:
- Wandbilder des alten Bahnhofs Luzern, darunter Werke von Barraud und Erni
- romanische Wandmalereien der Pfarrkirche Pontresina
- verschiedene Wandbilder von Geer
- verschiedene Wandmalereien im Kloster Müstair
- Deckenbilder im Schloss Köpenick
- weitere Wand- und Deckenmalereien in der Schweiz und im Ausland
Diese Projekte unterscheiden sich hinsichtlich Alter, Maltechnik, Dimension, Untergrund und Erhaltungszustand erheblich. Gerade diese Vielfalt hat wesentlich zum Aufbau der langjährigen Erfahrung unseres Ateliers auf diesem Spezialgebiet beigetragen.
Erhaltung vor Übertragung
Trotz unserer Spezialisierung betrachten wir das Ablösen einer Wandmalerei nicht als gewöhnliche Restaurierungsmethode.
Eine Wandmalerei ist Teil ihres historischen Ortes und ihrer Architektur. Wo immer möglich und konservatorisch verantwortbar, sollte sie deshalb in situ erhalten werden. Erst wenn der dauerhafte Erhalt am ursprünglichen Standort nicht möglich ist oder aussergewöhnliche Umstände eine Übertragung erforderlich machen, kommt eine Ablösung in Betracht.
Diese Haltung ist für uns wesentlich: Die Beherrschung einer Technik bedeutet nicht, sie unnötig einzusetzen.
Forschung, Erfahrung und Verantwortung
Das Ablösen und Übertragen bedeutender Wandmalereien gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen innerhalb der Konservierung und Restaurierung. Ein einmal begonnener Ablösevorgang lässt sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen.Entsprechend wichtig sind Voruntersuchung, Materialkenntnis, Erfahrung, sorgfältige Planung und eine vollständige Dokumentation sämtlicher Arbeitsschritte.
Die Verbindung aus jahrzehntelanger praktischer Erfahrung, eigener Forschung und Methodenentwicklung sowie der Untersuchung und Dokumentation am Original bildet die Grundlage unserer heutigen Arbeit auf diesem Gebiet.
Unser Ziel ist nicht das Ablösen einer Wandmalerei. Unser Ziel ist ihre Erhaltung. Wenn eine Übertragung dafür notwendig wird, verfügen wir über die Erfahrung und das Fachwissen, eine solche aussergewöhnliche Massnahme verantwortungsvoll zu planen und auszuführen.